Über die Illusion unbearbeiteter Fotos
Hartnäckig hält sich die allgemeine Meinung, daß Fotos "dirtekt aus der Kamera" die tatsächliche Realität wiedergeben, während am PC bearbeitete Bilder die Realität verfälscht wiedergeben.
Man könnte sagen: "Nur Bilder direkt aus der Kamera sind echte Fotos".
So berichtet z. B. die Computerwoche unter dem Titel "Schöne Bilder brauchen keine Manipulation durch digitale Bildbearbeitungs-Tools":
Tatsache ist: es gibt keine "unbearbeiteten Bilder" ohne "nachträgliche Manipulation".
Man könnte sagen: "Nur Bilder direkt aus der Kamera sind echte Fotos".
So berichtet z. B. die Computerwoche unter dem Titel "Schöne Bilder brauchen keine Manipulation durch digitale Bildbearbeitungs-Tools":
Die Nachbearbeitung durch Bildbearbeitungs-Tools ist in der heutigen Fotografie gang und gäbe. Doch manchmal gelingen auch Aufnahmen mit der Kamera, die so perfekt sind, dass keine nachträgliche Manipulation erforderlich ist.Na solche Fotos wünscht sich doch wohl jeder Fotograf. Und wer nur durch Nachbearbeitung zu ordentlichen Ergebnissen kommt - na der muß wohl noch etwas üben ...
Tatsache ist: es gibt keine "unbearbeiteten Bilder" ohne "nachträgliche Manipulation".
Nach meinem Verständnis entstehen Fotos in Digitalkamars etwas wie folgt:
Licht durchquert das Objektiv (mitsamt evt. Filter) und fällt auf den lichtempfindlichen Sensor.
Von dort werden die analogen Signale digitalisiert ... und durch einen Prozessor bearbeitet. Jawohl, bearbeitet: Antialiasing Effekte sorgen für glattere Kanten, Rauschen wird wenn möglich reduziert etc. Die so "roh bearbeiteten" Sensordaten werden nun dem JPG-Prozessor zugeführt. Das ist ein Stück Software in der Kamera, die basierend auf den Kameraeinstellungen die Farbsättigung erhöht oder verringert, Kontrast verändert, Schärfe hinzufügt oder entfernt etc.
Das so entstandene JPG wird auf den Speicherchip abgelegt.
Da haben wir also dann unser "Direkt-aus-der-Kamera-Bild".
Unverfälscht? Ohne Manipulationen? Offensichtlich nicht.
Gute Kameras bieten die Möglichkeit, die JPG-Erzeugung zu umgehen und die "roh bearbeiteten" Sensordaten direkt auf dem Speicherchip abzulegen. Das sind dann die sogenannten RAW-Daten, die späten vom Fotografen auf dem PC "entwickelt" werden müssen. Entwickeln bedeutet dann u. A. die Farbsättigung erhöhen oder verringern, Kontrast verändert, Schärfe hinzufügen oder entfernen etc. ... das gleiche also, was der JPG-Prozessor der Kamera macht. Nur eben am PC.
(Ein Plädoyer für die Verwendung von RAW und die Bearbeitung am PC habe ich hier abgegeben)
Aber egal ob das in der Kamera eingebaute "Photoshop" oder das Photoshop (als Synomym für "Bildbearbeitungssoftware") am PC das finale Bild erzeugt: genau dieses eine Bild hätte mit anderen Einstellungen an der Kamera oder am PC auch vollkommen anders aussehen können.
Bis hierhin sollte jedem klar sein, daß Fotos niemals ein reales Abbild der Natur sind. Das waren sie übrigens auch zu Zeiten der analogen Fotografie nicht: unterschiedliche Filme und Entwicklungsprozeße haben auch zu diesen Zeiten zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt.
Diejenigen Fotos, die einen Aspekt der Wirklichkeit "beleuchten" möchten, sind seltener.
Aber auch bei diesen Fotos geht es nicht um die exakte Abbildung der Wirklichkeit, sondern eben um eine "Verbildlichung" des darzustellenden Aspekts der Wirklichkeit.
Etwa ein Gesicht, daß etwas ausstrahlt, eine Landschaft, ein Gebäude, ein Gegenstand.
Das ist etwas Abstraktes: Es geht nicht um das konkrete Gesicht, sondern um das, was es aussstrahlt (Freude, Engagement, Leidenschaft, ...). Es geht nicht um die konkrete Landschaft, sondern um das, was der Fotograf und der Betrachter damit verbinden (Freiheit, Weite, Ruhe, Schönheit der Natur, ...).
Um den gewünschten Aspekt der Wirklichkeit zu beleuchten, setzt der Fotograf verschiedene Mittel ein. Er entfernt unrelevantes, er hebt Dinge hervor und schwächt die Wirkung anderen Dinge ab, er beleuchtet bestimmte Objekte stärker als andere, er färbt Objekte ...
Das alles ist - Bildbearbeitung. Zum Teil vor der eigentlichen Belichtung, aber zu einem Teil eben auch nach der Aufnahme am PC. Alles dient dem Ziel, die Wirkung des Bildes zu erhöhen. Denn dafür wurde das Foto gemacht.
Es geht bei Fotos um die Wirkung - nicht um die Wirklichkeit.
Licht durchquert das Objektiv (mitsamt evt. Filter) und fällt auf den lichtempfindlichen Sensor.
Von dort werden die analogen Signale digitalisiert ... und durch einen Prozessor bearbeitet. Jawohl, bearbeitet: Antialiasing Effekte sorgen für glattere Kanten, Rauschen wird wenn möglich reduziert etc. Die so "roh bearbeiteten" Sensordaten werden nun dem JPG-Prozessor zugeführt. Das ist ein Stück Software in der Kamera, die basierend auf den Kameraeinstellungen die Farbsättigung erhöht oder verringert, Kontrast verändert, Schärfe hinzufügt oder entfernt etc.
Das so entstandene JPG wird auf den Speicherchip abgelegt.
Da haben wir also dann unser "Direkt-aus-der-Kamera-Bild".
Unverfälscht? Ohne Manipulationen? Offensichtlich nicht.
Gute Kameras bieten die Möglichkeit, die JPG-Erzeugung zu umgehen und die "roh bearbeiteten" Sensordaten direkt auf dem Speicherchip abzulegen. Das sind dann die sogenannten RAW-Daten, die späten vom Fotografen auf dem PC "entwickelt" werden müssen. Entwickeln bedeutet dann u. A. die Farbsättigung erhöhen oder verringern, Kontrast verändert, Schärfe hinzufügen oder entfernen etc. ... das gleiche also, was der JPG-Prozessor der Kamera macht. Nur eben am PC.
(Ein Plädoyer für die Verwendung von RAW und die Bearbeitung am PC habe ich hier abgegeben)
Aber egal ob das in der Kamera eingebaute "Photoshop" oder das Photoshop (als Synomym für "Bildbearbeitungssoftware") am PC das finale Bild erzeugt: genau dieses eine Bild hätte mit anderen Einstellungen an der Kamera oder am PC auch vollkommen anders aussehen können.
Bis hierhin sollte jedem klar sein, daß Fotos niemals ein reales Abbild der Natur sind. Das waren sie übrigens auch zu Zeiten der analogen Fotografie nicht: unterschiedliche Filme und Entwicklungsprozeße haben auch zu diesen Zeiten zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt.
Ist Bildbearbeitung schlecht?
Warum fotografieren wir überhaupt?
Es gibt m. E. zwei wesentliche Gründe:- zur Dokumentation
- zur Darstellung eines bestimmten Aspekts der Wirklichkeit (warum auch immer: weil er schön ist, weil er lehrreicht ist, weil es den Fotografen bewegt hat ...)
Diejenigen Fotos, die einen Aspekt der Wirklichkeit "beleuchten" möchten, sind seltener.
Aber auch bei diesen Fotos geht es nicht um die exakte Abbildung der Wirklichkeit, sondern eben um eine "Verbildlichung" des darzustellenden Aspekts der Wirklichkeit.
Etwa ein Gesicht, daß etwas ausstrahlt, eine Landschaft, ein Gebäude, ein Gegenstand.
Das ist etwas Abstraktes: Es geht nicht um das konkrete Gesicht, sondern um das, was es aussstrahlt (Freude, Engagement, Leidenschaft, ...). Es geht nicht um die konkrete Landschaft, sondern um das, was der Fotograf und der Betrachter damit verbinden (Freiheit, Weite, Ruhe, Schönheit der Natur, ...).
Um den gewünschten Aspekt der Wirklichkeit zu beleuchten, setzt der Fotograf verschiedene Mittel ein. Er entfernt unrelevantes, er hebt Dinge hervor und schwächt die Wirkung anderen Dinge ab, er beleuchtet bestimmte Objekte stärker als andere, er färbt Objekte ...
Das alles ist - Bildbearbeitung. Zum Teil vor der eigentlichen Belichtung, aber zu einem Teil eben auch nach der Aufnahme am PC. Alles dient dem Ziel, die Wirkung des Bildes zu erhöhen. Denn dafür wurde das Foto gemacht.
Es geht bei Fotos um die Wirkung - nicht um die Wirklichkeit.
Gerd Mittwoch, September 09, 2009 12:49 PM
Viele Grüße - Gerd
Florian Mittwoch, September 09, 2009 02:07 PM
Wer glaubt, dass die Kamera "die Wirklichkeit" als JPEG speichert, glaubt auch die unbefleckte Empfängnis. Dieser Irrtum ist aber so weit verbreitet, dass JPEGs allen Ernstes dazu verwendet werden, die Bildqualität von DSLRs zu bewerten. (RAWs kann man natürlich nicht wirklich vergleichen und bewerten.) Bei Kompaktknipsen ist das auch sinnvoll, bei Spiegelreflexkameras stellen sich mir aber da die Haare auf.
Prinzipiell gilt: Verzicht auf RAW und besonders EBV ist auch der Verzicht auf Potential.
Gruß Florian