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Tiefenschärfe vs. Schärfentiefe

Manche Fotographen verwenden den Begriff Tiefenschärfe, andere den Begriff Schärfentiefe. Scheinbar für das Gleiche.
Kann ja eigentlich egal sein, welchen Befriff man verwendet. Aber immer wieder entstehen Diskussionen, welcher Begriff der "richtige" oder sinnvollere ist ...

Es geht letztlich darum zu beschrieben welcher Bereich eines Fotos scharf und welcher unscharf ist, bzw. um Mechanismen, dies zu beeinflussen.

Etwas genauer:
Unschärfen in Fotos können gewollt oder ungewollt sein. Und es gibt verschiedene Ursachen für Unschärfen im Foto.
Da gibt es z. B. die Bewegungs(un)schärfe. Die entsteht, wenn sich das Motiv während der Aufnahme bewegt hat. Manchmal ist das als Effekt gewollt, manchmal nicht.

Daneben gibt es die Schärfeverteilung "in der Tiefe". Ist im Foto der Vordergrund gleichermaßen scharf abgebildet wie der Hintergrund, oder ist der Vordergrund scharf und der Hintergrund unscharf? Darum geht es hier.
Genauer: es geht darum, ob Tiefenschärfe oder Schärfentiefe diesen Effekt besser beschreibt und/oder ob beide Begriffe vielleicht das gleiche bedeuten und "nach Geschmack" verwendet werden können.
Lange war ich ein verfechter des Begriffs Schärfentiefe.
Im englischen nennt man es "depth of field", also "Tiefe der Schärfe".
Die korrekte deutsche Übersetzung wäre danach "Schärfentiefe". Genauso wie man für "Temperatur des Wassers" auch Wassertemperatur und nicht etwa Temperaturwasser sagt.

Deapth of Field - oder Schärfentiefe - beschreibt den Abstand (die Tiefe) von der Fokusebene, die im Foto noch als scharf wahrgenommen wird. Werden etwa Objekte einen Meter vor und hinter der Fokusebene noch als scharf abgebildet wahrgenommen, so beträgt die Schärfentiefe zwei Meter.

Den Begriff Tiefenschärfe habe ich dagegen als sinnlos empfunden.
Was soll das sein: Tiefenschärfe? Die Schärfe der Tiefe? Gibt der Begriff einen Sinn?
Das macht vielleicht Sinn bei Chili Con Carne: Je tiefer man im Topf löfflet, desto schärfer wird es. Aber bei der Fotografie?

Aber ich muß zugeben, daß ich nach Lektüre von einigen zig Artikeln und Forenbeiträgen darüber meine Meinung geändert habe.

Schärfentiefe ist ein Längenmaß. Es wird z. B. in mm angebenen.
Es bezeichnet die Entfernung vor und hinter dem Fockuspunkt, der noch scharf abgebildet wird. Die Schärfentiefe hängt von der Blende und der Brennweite ab.
 
Tiefenschärfe beschreibt dagegen die "Qualität" der Schärfe (in der Tiefe - oder des Hintergrundes). Sie ist "gering oder hoch". Tiefenschärfe ist als Begriff mit Bewegungs(un)schärfe vergleichbar. Bewegungs(un)schärfe kann man ebenfalls nur qualitativ als hoch oder niedrig beschrieben. So ist es auch mit Tiefenschärfe. Die "Schärfe in der Tiefe" kann gering sein (der Hintergrund ist verschwommen) oder groß sein (Hintergrund ist scharf).
 
So verstanden bedeuten diese Begriffe nicht das gleiche.
 
Ich kann eine geringe "Tiefenschärfe" (unschafer Hintergrund) z. B. dadurch erreichen, daß der Hintergrund weit entfernt vom Hauptmotiv ist. Die Tiefenschärfe wird somit zwar von der Blende beeinflußt, aber eben nicht nur. Sie hängt auch von der Entfernung des Motivs vom Hintergrund ab.
Anders bei der Schärfentiefe. Das ist ein Längenmaß. Die hängt (bei konstanter Brennweite) nur von der Blende ab.
 
Tiefenschärfe beschreibt also eher einen "Effekt", den ich durch verschiedene Maßnahmen beeinflussen kann. Einer davon ist die Blende.
 
Als Fotograf ist man ja nun eher am "Effekt" interessiert und weniger an einer Längeneinheit. Insofern finde ich es nun doch nachvollziehbar, daß man fragt: "was muß ich tun, um eine geringe Tiefenschärfe zu erzielen". Eine der Antworten ist: Blende öffnen. Eine andere wäre "Motiv weiter von Hintergrund entfernen" oder "Brennweite verlängern".
 
Tatsächlich reduziert man also die Tiefenschärfe, indem man (z. B.) die Schärfentiefe verkleinert. Nur in diesen Sinne sind die beiden Begriffe synnonym zu verwenden, obwohl sie tatsächlich eine unterschiedliche Bedeutung haben.

Was bleibt als Erkenntins für mich?
Die Blende verinngert die Schärfentiefe. Was hilft mir das? Das verwende ich dazu, die Tiefenschärfe zu verrinngern. Es gibt aber noch weitere Mittel, dies zu erreichen.
 
Wer mir bis hierhin gefolgt ist muß (wie ich) vermutlich zugeben, daß man sich als Fotograph eigentlich dann doch eher für Tiefenschärfe als "Effekt" interessiert. Und daß daher dieser Begriff durchaus Sinn ergibt.
Kommentare:

Karl Pfeiffer 15:28 Uhr MESZ

Endlich jemand, der beim Denken unnachgiebig ist und der Sache auf den Grund geht (nicht nur im Fleischtopf ;))

~ lg Karl

Bernd 12:08 Uhr MESZ

Hallo,

eine interessante Betrachtung der beiden Wörter.
In meiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann Fototechnik (1983) wurde nur der Begriff Schärfentiefe als richtig geduldet. Hätte ich dort mit Tiefenschärfe geantwortet, wäre die mündliche Prüfung schlechter ausgefallen ;-)

Inzwischen setzt auch der Duden beide Begriffe gleich. Sozusagen als Synonym. Wobei er auch hinweist, das Schärfentiefe fachlich korrekt ist und Tiefenschärfe die inzwischen weit verbreitet und umgangssprachlich ist.

Deine Interpretation ist sehr interessant und kann die Assoziation vieler Tiefenschärfe-Vertreter erklären!

LG
Bernd

Helmut B. 08:29 Uhr MESZ

Tiefenschärfe in der Fotografie ist blanker Unsinn.

Ein Foto ist eine 2D-Abbildung. Deshalb kann eine solche 2D-Abbildung wegen der fehlenden Räumlichkeit weder teilweise noch ganz über eine Tiefe (oder gar Untiefe) verfügen. Und scharf kann eine Tiefe oder eine Untiefe ohnehin niemals sein. Oder schon mal von Wassertiefenschärfe gehört?

PS: In den vielen Fotografie-Fachbüchern ist mir noch nie der Begriff „Tiefenschärfe“ untergekommen.

Heiner B 06:37 Uhr MESZ

Die Schärfentiefe ist etwas anderes als die Tiefenschärfe . Während die Schärfentiefe exakt mess- und berechenbar ist, ist die Tiefenschärfe eine Bezeichnung für die Qualität des Bereichs vor und hinter dem Schärfebereich. Eine hohe Tiefenschärfe bedeutet, dass der Hintergrund des Motivs vergleichsweise scharf ist, wobei er eben nicht wirklich scharf, sondern nur nicht völlig unscharf ist. Eine geringe Tiefenschärfe bedeutet, dass der Hintergrund sehr stark verschwimmt. Die Tiefenschärfe ist aus diesem Grund nicht exakt messbar, sondern ein recht schwammiger Begriff, ähnlich wie die Bewegungsunschärfe. Die Schärfentiefe zu reduzieren ist nur eine Möglichkeit, eine kleinere Tiefenschärfe zu bekommen. Ein anderer Weg ist beispielsweise, den Hintergrund weiter vom Motiv entfernt zu wählen. Das reduziert nicht die Schärfentiefe, wohl aber die Tiefenschärfe.

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